Niewitz

(Text nach Kurt Paulick)

 

Acht Kilometer westlich der Kreisstadt Lübben liegt der Ort Niewitz mit seinen über 300 Einwohnern. Erreichen kann man das Dorf über die B 115, und ab Ortsteil Rickshausen, über den „Niewitzer Damm“. Zur geschlossenen Ortschaft kommen der Ausbau Rickshausen mit vier Häusern, 1,5 km vom Ort entfernt dazu. Die Größe des bebauten Territoriums von Niewitz beträgt 7 ,2 km², es überwiegen massive Einfamilienhäuser und Wirtschaftsgebäude. Das Relief der Fläche ist eben und steigt lediglich im Westen und Süden etwas an. Niewitz entwickelte sich aus einer wendischen Siedlung (mit 23 Gehöften) besonders im 18. Jahrhundert zum heutigen Dorfbild. Die Gemeinde ist in 500 — 1000 m Entfernung von Kiefernwald umgeben. Zwischen Ort und Wald befinden sich hauptsächlich Felder und Wiesen. Am nördlichen Rand des Dorfes fließt die Berste, ein kleines Flüsschen, dass bei Lübben in die Spree mündet.

Natur

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Geschichte

Über die Zeit vor dem 2. Weltkrieg gibt es leider nur wenig Überlieferungen. Der Ort wurde im Jahre 1345 als „Newitz“ erwähnt. Auch dieser Name beruht auf das niedersorbische „nieva“ (fruchtbares Ackerland bzw. Feld und Flur). ln den nachfolgenden Jahrhunderten änderte sich der Name öfter (1414 - „Nywitz“, 16. Jahrhundert - „Niwitz“, 1761 - „Niwiza“, 1843 - „Niwica“). Im Ergebnis des Wiener Kongress wurde das vormals sächsische Niewitz an das Königreich Preußen übergeben und vom Landkreis Luckau verwaltet. Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde dem neu gebildeten Kreis Lübben im Bezirk Cottbus zugeordnet. In den 90iger Jahren wurde die Gemeinde Niewitz dem Landkreis Lübben angegliedert. Am 26. Oktober 1992 schloss die Gemeinde sich dem Amt Unterspreewald an. Nach der Kreisreform in Brandenburg am 6. Dezember 1993 kam Niewitz schließlich zum neu gebildeten Landkreis Dahme-Spreewald. Am 1. Februar 2002 wurde die neue Gemeinde Bersteland mit den Ortsteilen Niewitz, Freiwalde und Reichwalde gegründet. Am 1. Januar 2013 fusionierte das Amt Unterspreewald mit dem Amt Golßener Land, dadurch entstand das Amt Unterspreewald.

 

Bedeutende Lehmvorkommen ließen im Dorf zwei Ziegeleien entstehen, in welchen Mauer- und Dachsteine hergestellt wurden. 1937 wurde eine der beiden Ziegeleien stillgelegt, die andere stellte 1950 die Produktion ein.

Postkarte

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Landwirtschaft

Wie auch in anderen Orten dieser Region prägte die Landwirtschaft das Leben der Bewohner. Im Jahre 1956 begann auch in Niewitz die Verstaatlichung der Landwirtschaft, in dem man einzelne Familienbetriebe zusammenschloss. Die daraus entstandene LPG bewirtschaftete nun alle landwirtschaftlichen Flächen unter staatlicher Kontrolle, was zur Auswanderung einiger Familien in den damaligen „Westen“ führte. Die Zwangskollektivierung war bis 1960 abgeschlossen, so dass es keine nennenswerte private Nutzung und Bewirtschaftung mehr gab. Diese Form der landwirtschaftlichen Produktion bestand bis 1990. Nach der Wende wurden sämtliche landwirtschaftliche Nutzflächen an die Alteigentümer zurückgegeben. lm Dezember 1991 gründeten Niewitzer Bauern zusammen mit Lubolzern eine GmbH & Co. KG um die Landwirtschaft in der Region zu erhalten. Im Jahre 2011 übernahm ein privater Landwirt den Hof und die Felder. Der überregional bekannte Spreewaldhof Niewitz ist weiterhin ein maßgebliches Wirtschaftsstandbein in Niewitz. Insbesondere die klassische Gurkenproduktion aber auch die Erdbeerernte prägen das Landschaftsbild in der Umgebung des Dorfes.


Handwerk und Gewerbe

Aber auch Handwerk und Gewerbe hielten nach dem Krieg Einzug. So hatte der Ort eine eigene Fleischerei, die aber 1958 aus familiären Gründen schließen musste. Weiterhin übte eine Damenschneidermeisterin bis 1990 ihr Gewerbe aus. In den 80igern etablierten sich ein Elektroinstallationsbetrieb sowie eine Polsterei. Starkes Handwerk ist trotz Struktur- und Gesellschaftswandel in Niewitz allgegenwärtig. Ob Tischler, Zimmerer, Dachdecker oder Raumausstatter, die Tradition des Werkens und individuelle Produkte nach Maß werden immer ein besonderes Merkmal unserer kleinen Gemeinde bleiben.

 

Im Herbst 1990 begann der Unternehmer Dieter Jorbandt auf einer 3 ha großen Fläche im Ortsteil Rickshausen mit dem Bau einer Raststätte nebst Hotel für 180 Betten. Die Fertigstellung erfolgte im Juni 1992 und brachte neue Arbeitsplätze für die Gemeinde. Das Spreewald Parkhotel gehört seit dem Jahr 2000 zur Van der Valk Familie, wurde erweitert und zu einem Tagungshotel umgebaut. Im Jahre 2020 begann dort der Spartenstich zum Anbau und Umnutzung in ein Reha Zentrum der Vincera-Gruppe.

 

Bereits 2014 begann in Niewitz das Zeitalter der Elektroautos. Umweltbewusste PKW-Besitzer können Ihre E-Autos an den Ladestationen im Ortsteil Rickshausen aufladen.


Gesellschaft und Vereinsleben

Nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990 und der damit übernommenen Marktwirtschaft mussten viele Arbeitsplätze abgebaut werden. So wurden die Kinderkrippe, der Konsum und die Poststelle geschlossen, sowie die Weiterbildungsakademie in der Gefas aufgelöst.

 

Im Ortskern befindet sich ein großes Gemeindehaus, die Germania, mit Tanzsaal. In der ehemaligen Gaststätte reichte das Angebot damals von spreewaldtypischen Gerichten bis hin zur einheitlichen Küche. Auch heute begeht man hier die Höhepunkte kulturellen Lebens der Gemeinde. Hierzu zählen die traditionelle Fastnacht und der Feuerwehr- und Sportlerball, welche in dieser Einrichtung zünftig gefeiert werden. Stolz ist man auf den seit 1924 bestehenden Sportverein der SG Niewitz. Aber auch die Freiwillige Feuerwehr hat einen nicht geringen Anteil an der Entwicklung des Ortes geleistet. So wurde ein neues Spritzenhaus errichtet und die Löschtechnik grundlegend erneuert. Der Niewitzer Fastnachtsverein organisiert u. a. die traditionelle Fastnacht im Februar. Besonders beliebt ist der Brauch des Zamperns, bei dem alle Dorfbewohner kostümiert gemeinsam durch das Dorf ziehen und „Pingel“ (Geld), Speck und Eier sammeln.

 

Die Schützengarde Niewitz e.V. ist ein weiterer Verein der Gemeinde, der sich 1991 hier im Ort gegründet hat. Im ehemaligen Gemeindebüro hat sich die Garde zwei Luftgewehrbahnen eingerichtet. Bei Kreis- und Landesmeisterschaften vertritt sie die Gemeinde mit stets guten Ergebnissen.


Fachwerkkirche

Ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude ist die Kirche aus dem Jahre 1772. In den 60er Jahren wurde die Außenhülle restauriert und 1985 das Dach neu eingedeckt. In diesem Zuge installierte man einen Blitzableiter und baute das Glockenleutwerk so um, dass es elektrisch betrieben werden kann. 1988 bekam das Bauwerk von innen und außen einen neuen Anstrich und die mittleren Bankreihen erhielten eine elektrische Heizung. 2018 und in den Folgejahren wurden weitere Instandsetzungsarbeiten an dem Gebäude durchgeführt. 


Gurkenradweg

Abseits der großen Tourismuszentren bietet die Umgebung gute Voraussetzungen, einen schönen Urlaub zu verbringen. Auch in Niewitz orientierte man sich, bedingt durch die vorhandene Infrastruktur sowie die Nähe zum Spreewald, zu einer vom Tourismus geprägten Region um. Dafür sprechen das kleine Flüsschen Berste, die weiten Landschaften und die direkte Einbindung in den Gurkenradweg. An der zentralgelegenen Dorfeiche können sich die Radtouristen anhand der Knotenpunktwegweiser gut orientieren. Per Fahrrad und zu Fuß erkunden Sie die den Ort umgebenen Wiesen, Auen und Kiefernwälder bevor Sie den Gurkenradweg folgend entweder in Richtung Golßen oder Lübben weiterfahren. Naturliebhaber werden einen Besuch und Aufenthalt in der Gemeinde Niewitz sicherlich lange in guter Erinnerung behalten.

 

Text geschrieben von Manuela Paulick mit Quelle Kurt Paulick, 04.11.2020


Infotafel Niewitz

 

Historische Dokumente